Torpedo Eisen – Grasskloppers (2:3)

Stell dir vor, die Bayern haben (ausnahmsweise) mal wieder das Endspiel in der Champions-League erreicht. Stell dir weiter vor, der Gegner wäre wieder Manchester United wie damals in Barcelona. Und nun stell dir das Spiel vor: wieder führen die Bayern mit 1:0 bis kurz vor Schluss und sehen schon – wie damals – wie der sichere Sieger aus. Mitte der 2. Halbzeit die große Chance auf 2:0 zu erhöhen, doch der Pfosten steht im Weg. Alles macht sich schon für die Siegerehrung bereit, Ulli poliert seine Brille, Kaiser Franz führt die ersten Interviews und der Busfahrer köpft schon die ersten Weizen. Dann, kurz vor Schluss, noch einmal Ecke für Manu. Der Ball kommt herein, wird immer länger, wird von Giggs Kopf Richtung Torlinie verlängert und irgendwie haut sich van Buyten das Ding selbst in die Maschen. Du denkst, hoppla, kommt mir dass nicht bekannt vor? Schon wieder der Ausgleich kurz vor Schluss! Und bevor du darüber so richtig ins Grübeln kommst, rollt auch schon der nächste Angriff in Richtung Bayern-Tor und plötzlich titscht der Ball Lucio an die Hand und der Schiri entscheidet auf Handelfmeter, den Rooney zum 2:1 Sieg verwandelt. Hä? Kommt dir der Spielverlauf nicht bekannt vor? Und bevor du weiter nachdenkst, sagst du, nee, nee, verarschen lass ich mich nicht, so ne Geschichte passiert nicht zweimal im Fußball – sowas geht ja gar nicht!

Glaubst du wirklich, dass sich solche Momente nicht wiederholen können? Na, dann warst du wohl weder am 11. Juli 2004, noch heute auf der Jahnwiese bei dem Aufeinandertreffen von TE und Altmeister Graskloppers. Vor drei Jahren standen sich beide Mannschaften schon einmal im Halbfinale gegenüber, heute in der Vorrunde der Champions League. Damals gingen die Graskloppers durch ihren Top-Torjäger Markus in Führung und auch dieses Mal brauchte es keine 25 Minuten bis derselbige nach einem Einwurf von TE und anschließendem Fehlpass im Mittelfeld, seine Gegenspieler narrte und zur Führung einschoss. Damals konnte TE zwar zunächst ausgleichen, aber noch vor der Pause erhöhten die Graskloppers auf 2:1. Den wiederholten Ausgleich erzielte damals wie heute nach einem abgefälschten Schuss Philip, dieses Mal allerdings nach einem erwähnenswerten fulminanten Solo über 50m. Nach dem Ausgleich bog TE das Spiel damals wie heute. Dieses Mal gehen die Torpedos nach einem Konter über David durch einen schöne Einzelaktion von Tommi mit 2:1 in Führung. Als TE-Fan schwebst du im 7. Himmel und träumst schon von Viertelfinalspielen gegen Otze Mach Et oder Interfilos. Mitte der 2. Halbzeit dann zweimal die große Chance die Führung sogar noch auszubauen, aber beides Mal wird aus kurzer Distanz frei vor dem Torwart vergeben. Du sagst dir, wenn dass sich mal nicht rächt. Aber nee, nee denkst du dann weiter, dieses Mal ist die Mannschaft nach neun Spielen in Folge ohne Niederlage so gefestigt, dass ihr das Missgeschick von damals, noch das Spiel aus der Hand zu geben, nicht wieder passiert. Und so verstreichen die Minuten. Bis 7 Minuten vor Schluss noch einmal Freistoß für Graskloppers gegeben wird. Damals waren es wohl 10 Minuten vor Schluss, aber egal, zumindest die selben Protagonisten: langer Freistoß von Markus auf Andreas, der köpft den Ball fast von der Grundlinie zurück in den 5m Raum, von wo aus der Ball einem Verteidiger von TE unglücklich an die Hacke prallt und ins Tor trudelt. Du denkst, hoppla, kommt mir dass nicht bekannt vor? Naja, damals hat Andreas das Tor gleich selber gemacht, aber dafür war dieses Mal der Winkel zu spitz. Aber schon wieder ein Gegentreffer gegen die Graskloppers kurz vor Schluss. Naja, als TE-Fan, denkst du, so ein Pech verdammt, aber ein Punkt würde unter Umständen schon für die Qualifizierung reichen und da nur noch 6 Minuten zu spielen sind, was soll denn da noch schief gehen? Und bevor du überhaupt ins Grübeln kommst, ob deine Überlegungen so haltbar sind, flankt ein Graskloppers Spieler auf Höhe des 16er in den Strafraum und irgendwie springt der Ball aufgrund der schlechten Platzverhältnisse einem weiteren Verteidiger von TE an die Hand. Ohh, Handelfmeter zwei Minuten vor Schluss und schwups macht es aus 2:1 ein 2:3.

So eine Sch…., denkst du als Fan von TE und fluchst, das kann doch alles nicht wahr sein, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor und bevor dieser Gedanke vertieft werden kann, ist auch schon Schlusspfiff.

Mit dem Pfiff erwachst du schweißgebadet in deinem Bett, guckst auf deinen Radiowecker und realisierst, dass alles nur ein böser Traum war. Puuh, ganz schön übel, denkst du und weiter, was habe ich wohl die Woche über böses verbockt, dass mir solch ein brutaler Alptraum widerfährt? Und plötzlich kommen die Erinnerungen von damals wieder hoch, die man doch eigentlich schon verarbeitet hatte. Aber zur Beruhigung: nur ein Traum!

Denn, mal ehrlich, sowas kann sich auch gar nicht wiederholen, so viele verrückte Fußballgötter gibt es ja gar nicht und soviel Pech wie damals kann ja nicht noch getoppt werden. Tja, nachdem du dich dann beruhigt und getröstet hast, stehst du beschwingt auf, wirfst einen flüchtigen Blick ins Internet und siehst das Ergebnis des heutigen Spieles und wie es zustande gekommen ist. Du schüttelst ungläubig den Kopf und murmelst gedankenlos vor dich hin: Gott sei Dank, dass ich weiß, dass dies nur ein schlechter Traum ist!